Licht und Schatten im "Wettbewerb um junge Leute"

Berufsschulen legen vorläufige Anmeldezahlen vor – Teils starke Einbußen – Schulleiter sieht Talsohle erreicht – Werben um Abiturienten

PassauEine Bestandsaufnahme mit Licht und Schatten legten die Leiter der Beruflichen Schulen am Freitag der Verbandsversammlung vor. Die vorläufigen Anmeldezahlen zeigen abermals Rückgänge und Handlungsbedarf in einigen Bereichen, sie geben aber auch Anlass zu Optimismus.

Noch können die Zahlen für das laufende Schuljahr 2018/19 durch Zu- und Abgänge schwanken, einige größere Verschiebungen zeichnen sich jedoch schon ab. So berichtete Eduard Weidenbeck, Leiter der Gewerblichen Berufsschule in Passau, etwa von einem signifikanten Rückgang bei den Metzgern. Aktuell gebe es noch vier in der zehnten Klasse, dazu neun im Bereich Verkauf. Die zugehörige Fachrichtung "Ernährung II" verzeichnet – Stand jetzt – einen Rückgang von 24 Anmeldungen 2017 auf 14. Doch mit dem Einbruch hatte Weidenbeck gerechnet, denn "das Handwerk leidet". Ähnlich ergehe es den Heizungsbauern, bei denen die Schülerzahl nach aktueller Rechnung von 53 auf 33 einbrach – "ein Rückgang wie nie zuvor", sagt Weidenbeck. "Die Betriebe finden keine Lehrlinge mehr."

Das spürt auch seine Kollegin von der Vilshofener Berufsschule, Christa Jungwirth. 19 Glaser-Schüler büßt sie nach jetzigem Stand ein, das macht etwa 26 Prozent aus. "Die Innung muss mehr machen", appellierte sie. Zehn Glasbauer sind es aktuell noch in der Fachschule. "Das ist sehr wenig." Auch in der Hauswirtschaft brechen die Schülerzahlen ein – "logisch bei der Konjunktur", sagt Christa Jungwirth. Noch sei man hier aber gut aufgestellt; immerhin 35 Neuanmeldungen gab es.

Schulleiter Robert Lindner von der Kaufmännischen Berufsschule in Passau sorgt sich vor allem um die Entwicklung im Fachbereich Steuer: Hier zeigt die vorläufige Erhebung einen "gewaltigen Einbruch" von 47 auf 28 Schüler, "den wir nicht erklären können". Auch die Fachrichtung Großhandel weist einen relativ großen Rückgang von 65 auf 49 Schüler auf. "Das müssen wir beobachten", mahnte Lindner, der vermutete, dass die neue Ausbildung zum E-Commerce-Kaufmann in Regen viele abwerbe. Verbandsrat Toni Schuberl (Grüne) bat darum, das Thema Digitalisierung stärker einzubinden, um etwa mit Regen Schritt halten zu können. Lindner versicherte ihm, das Thema "beschäftigt uns täglich". Es soll in alle Berufe einfließen.

Lichtblicke und Lösungsansätze machen dem Berufsschulverband jedoch Hoffnung: So verzeichnet Weidenbeck zwar ein Minus im Gastrobereich von fast zwölf Prozent, dafür werde die Sparte "internationaler". Zurzeit besuchen Schüler aus Nepal die BS1, Sprachförderunterricht inklusive. Ohne sie wäre das Defizit größer. Ein satter Zuwachs zeichnet sich im Bereich IT ab, dessen Anmeldezahlen aktuell von 102 auf 145 gestiegen sind, und auch die Sparte Elektro weist ein Plus von 16 Prozent auf. Unterm Strich zählt Weidenbeck derzeit 36 Anmeldungen mehr als im Vorjahr.

In Christa Jungwirths vorläufiger Bilanz für Vilshofen steht unterm Strich ein Minus von 51. Doch auch sie hatte Gutes zu berichten: So zähle die Schule 50 neue Schreiner, das ist ein Zuwachs um sieben. Was sie besonders freut: Unter den Schülern finden sich 18 Abiturienten. Daraus will sie ein Modell unter dem Überbegriff "Abi und Beruf" entwickeln. Ähnliches sei auch für die Metaller denkbar. Zuwächse gab es auch bei den Bäckern.

Robert Lindners Schülerzahlen sind insgesamt stabil. Nur sechs Anmeldungen weniger als 2017 sind es jetzt. Möglich ist das, weil den Verlusten unter anderem ein Zuwachs bei den Industriekaufleuten entgegensteht (90 Neuanmeldungen statt 75 im Vorjahr). Gefreut hat sich Lindner auch, dass er zwei Klassen für Bank-Lehrlinge bilden konnte, während "alle anderen Schulen in Niederbayern nur einzügig sind". Die Talsohle sah er erreicht: Nach den geburtenschwachen Jahrgängen werde es nun wieder aufwärts gehen. Jungwirth möchte zudem vermehrt Abiturienten anwerben.

Passaus OB Jürgen Dupper brach eine Lanze für die Studenten. Es müsse den jungen Leuten überlassen bleiben, welchen Weg sie einschlagen. Ein Grund, warum viele lieber studieren als eine Ausbildung zu machen, sah er darin, dass "selbst der Prüfungsbeste nach drei Jahren Ausbildung zum Teil mit 1400 Euro im Monat heimgeht". Es gelte nun, Anreize zu schaffen, so Dupper, denn "der Wettbewerb um die jungen Leute ist entbrannt". (PNP vom 19.09.2018)

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